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Tipps zu
Textarbeit und Textverstehen von Lesetexten

Textverstehen und lautes Lesen

Lassen Sie einen Text immer leise lesen, denn lautes Lesen behindert das Textverstehen! Das stille Lesen entspricht der natürlichen Lesehaltung, entlastet das Arbeitsgedächtnis und ermöglicht es, sich ganz auf den Textinhalt zu konzentrieren. Beim lauten Lesen erfordert die Transkodierung vom grafischen ins phonische Medium sowie die Planung und Ausführung der Artikulation sehr viel Aufmerksamkeit und Konzentration, vor allem bei sprach- und sprechgestörten Menschen. Es besteht dann kaum noch die Möglichkeit, sich auf den Inhalt des Textes zu konzentrieren.

Lautes Lesen ist eine Übungsaktivität, die vor allem dazu dient, Defizite beim Sprechen (Artikulation, Prosodie, Atemrhythmus usw.) zu trainieren. Ein Text, der laut gelesen wird, sollte bekannt sein (z. B. zuvor erarbeitet oder zumindest still gelesen).

Vorwissen zum Textinhalt

Aktivieren Sie vor dem ersten Lesen das Vorwissen des Patienten zum Textinhalt. Oft weiß man schon ziemlich gut, was in einem Text stehen kann. Wenn dieses Vorwissen aktiviert ist, kann das das Textverstehen erleichtern.

Texte haben meist eine Überschrift, oft auch einen Untertitel und Zwischenüberschriften; sie werden von Bildern illustriert, die selbst oft durch ein oder zwei Sätze erläutert werden. All das kann man einsetzen, um das Vorwissen zum Text zu aktivieren. Oder man führt vor dem ersten (stillen) Lesen mit dem Patienten ein Gespräch über das Thema des Textes.

Verschiedene Ebenen des Textverstehens

Nicht jeder Text muss Wort für Wort bis ins Detail gelesen und verstanden werden. Einen politischen Zeitungstext z. B. liest man anders als ein Rezept: Einem Zeitungstext möchte man die wichtigsten Informationen entnehmen, während man ein Rezept schon sehr genau lesen und verstehen muss; einem Fahrplan entnimmt man sehr selektiv eine bestimmte Information, während viele den Wirtschaftsteil der Zeitung nur überfliegen.

Entsprechend sollte man auch in der Therapie verschiedene Arten des Textverstehens trainieren. Welche Art der Informationsentnahme jeweils die angemessene ist, hängt zum einen von der Textsorte ab (vgl. oben), zum anderen von dem Verstehensziel des Lesers, also von seinem Interesse an dem jeweiligen Text.

Beim Training des Textverstehens sollte man mit der allgemeineren Ebene beginnen und sich in verschiedenen Verstehensdurchgängen zu spezielleren Ebenen hin bewegen - etwa in der Reihenfolge 1 - 2 - 3:
1 Was ist das Wichtigste / die wichtigste Aussage im Text? (z. B. in Form eines Satzes oder einer Überschrift)
2 Textgliederung: Aus welchen Teilen besteht der Text? (z. B. den Abschnitten Überschriften zuordnen lassen)
3 Was sind die wichtigsten Informationen des Textes? (z. B. Wer? Wo? Wann? Was? Warum? Wozu? ...)

Berücksichtigung des Leserinteresses, z. B. (nach der Aktivierung des Vorwissens):
- Was interessiert Sie an dem Thema des Textes? ... Dann schauen Sie einmal, ob Sie etwas dazu in dem Text finden.
- Was meinen Sie: Was könnte in dem Text stehen? ...Jetzt sehen Sie doch einmal nach, ob Ihre Vermutung zutrifft.

Wenn der Leser die für ihn interessanten Informationen entnommen hat, kann die Verstehensphase enden. Patienten müssen Folgendes erkennen: Um einen Text zu verstehen, ist es meist nicht erforderlich, Wort für Wort zu lesen und jedes Detail zu erarbeiten.

Textverstehen und sprachliche Arbeit am Text

In der Phase des Textverstehens geht es um Inhaltliches und nicht um Grammatik oder Wortschatzarbeit. Je detaillierter man einen Text beim ersten Lesen Wort für Wort bespricht, desto weniger versteht man vom Textinhalt, weil nämlich das Arbeitsgedächtnis überfordert ist. Diese Erfahrung haben viele z. B. im Fremdsprachenunterricht gemacht.

Am besten trennt man die Phasen "Textverstehen" und "sprachliche Arbeit am Text", also Wortschatz heraussuchen, Wortfelder erarbeiten, Strukturen erkennen, grammatische Signalwörter markieren usw. Grundsätzlich gilt: Zuerst das Verstehen, danach die sprachliche Arbeit am Text.

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